Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Sozialwort 2010

In der Sitzung der Dekanatssynode vom 23. Oktober 2010 wurde in Aufnahme des ersten Sozialwortes aus dem Jahre 2005 ein zweites Sozialwort beschlossen.

II. Sozialwort
der Synode des Evang.-Luth Dekanatsbezirks Rosenheim
an die Kirchengemeinden

2005 hat sich die Synode ausführlich mit dem Thema „Armut und Hartz IV“ befasst – nach nunmehr fünf Jahren und im „EU Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ ist es Zeit, sich erneut zu äußern und konkrete Schritte zu gehen.
Das Sozialwort I vom April 2005 behält in seiner Intention seine Gültigkeit. Das Sozialwort II baut darauf auf und ist eine Vergewisserung, dass Kirche einen sozial-diakonischen Auftrag hat und sich diesem verpflichtet weiß.
„Die Not der Menschen muss die Not der Kirche sein“, so Wolfgang Gern, Sprecher der Deutschen Armutskonferenz beim Jahresempfang des DW Bayern in Landshut am 21.06.2010.
„…. Armut ist in Deutschland nicht mehr zu übersehen. … Ein bedarfsgerechtes Existenzminimum bedeutet kein Luxusleben. Es dient dazu, menschenwürdig zu leben, auch wenn keine Einkünfte aus eigener Arbeit vorhanden sind“, so Diakoniepräsident Klaus-Dieter Kottnik in epd Sozial; 19.2.1010.
Im Evangelium, vor allem in Matthäus 25, 31ff., finden wir klare Kriterien für die Zuwendung zu den Menschen, die Not und Entbehrung leiden. Darum muss Kirche sich einsetzen für menschenwürdiges Leben, sie muss die Diskussion dazu führen, die christlichen Kriterien beispielhaft und konkret umsetzen und sich politisch für deren Umsetzung einsetzen.
Die Dekanatssynode im Dekanatsbezirk Rosenheim empfindet das Vorhandensein von Armut als Skandal und setzt sich dafür ein, in den Kirchengemeinden und zusammen mit den Werken und Diensten des Diakonischen Werkes Rosenheim sozial benachteiligten Menschen gegenüber Ausgrenzung zu vermeiden, Auswege zu eröffnen und Hilfe zu ermöglichen.

Wir regen an, soziale Fragestellungen vor Ort wahrzunehmen und gezielt Aktionen und Projekte zu unterstützen bzw. zu etablieren.
Folgende Beobachtungen und Fragen leiten uns dabei:

  1. Alter ist ein Armutsrisiko.
  2. Wer kein Geld hat, ist auch weniger mobil. Wer nicht mobil ist, hat weniger Chancen. Gibt es Möglichkeiten, diesen Menschen zu mehr Mobilität zu verhelfen?
  3. Arbeit gehört zum Leben. Wie finden Arbeitslose auch durch nicht berufliche Formen von Arbeit zu Selbstwertgefühl? Was für Möglichkeiten dazu gibt es bei uns vor Ort?
  4. Bildung fördert die Lebenschancen. Wie können wir allen Menschen die Teilhabe an Bildungsangeboten ermöglichen?
  5. Gesundheit kostet immer mehr Geld. Wie können wir dazu helfen, dass alle Menschen an der Gesundheitsversorgung teilhaben können?
  6. Armut erfordert Hinschauen und soll nicht schamvoll verschwiegen werden. Wo finden sich in unserem Gemeindeleben „Armutsschwellen“? Wo haben Menschen es in unserer Kirchengemeinde schwer, teilzunehmen, Anschluss zu finden, ihresgleichen zu treffen, ins Gespräch zu kommen, Antworten auf ihre Fragen zu finden?
  7. Durch stetige Beschleunigung und wachsende Anforderungen werden Menschen abgehängt. Was können wir zu einer Entschleunigung beitragen?

Ideen und Anregungen:

  1. Die Diakoniebeauftragten in der Kirchengemeinde stärken und ermutigen, sich dieses Themas anzunehmen – oder Sozialbeauftragte einführen.
  2. Die Zusammenarbeit mit Diakonischem Werk und Kirchlicher Allgemeiner Sozialarbeit einfordern und nutzen.
  3. Armut als Querschnittsthema durch alle Bereiche der Arbeit in der Kirchengemeinde ziehen.
  4. Vernetzungen mit Kommunen, Diakonischem Werk, Evangelischem Bildungswerk, anderen Kirchengemeinden usw. finden, anregen und schaffen, um gezielter und effektiver vorgehen zu können.
  5. Vor Ort erkunden, ob es „Runde Tische Soziales“ oder Sozialfonds gibt und diese unterstützen – oder ggf. anregen und mit einrichten.
  6. Für Diakonie und Kirchengemeinde vor Ort immer mehr konkrete Möglichkeiten zur Zusammenarbeit finden und umsetzen.
  7. In der Kirche Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose schaffen.
  8. In Gottesdiensten und Gemeindebriefen regelmäßig auf Angebote hinweisen, die wenig oder gar nichts kosten.
  9. Eintreten für eine Haltung der Solidarität zwischen Starken und Schwachen.
  10. Aktive Schritte der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung entwickeln.
  11. Das Evangelium auch in seiner sozialen Dimension predigen.

Vor allem aber: Mit offenen Augen, mit Liebe und mit Zeit durch den eigenen Ort gehen und genau hinschauen. Kritische Punkte aufnehmen, Defizite benennen und sich die Freiheit zur Kreativität nehmen.

Bei der Dekanatssynode im Herbst 2011 soll unter der Leitfrage „Was hat sich geändert?“ ein
erstes controlling stattfinden.

Rosenheim, 23.10.2010

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publ. am 6. März 2013