Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Endgültiger Abschied von Pfarrer Dietmar Graffenberger

Mit großer Anteilnahme haben die Menschen im Dekanat Rosenheim die Nachricht vom Tode des Pfarrer i.R. Dietmar Graffenberger aufgenommen.
Zur Trauerfeier und Beisetzung in der Kirchengemeinde Brannenburg, seiner langjährigen Wirkungsstätte, kamen trotz der aktuellen Corona-Situation viele Menschen um Abschied zu nehmen. Neben Familie und Angehörige waren vor allem auch Vertreter des öffentlichen Lebens und der Kirche gekommen.
Dekanin Dagmar Häfner-Becker und Pfarrer Thomas Löffler haben die Trauerfeier und Beisetzung liturgisch gestaltet.
Die Predigt von Pfarrer Löffler können sie sich als pdf-Dokument herunterladen.

Dekanin Häfner-Becker fasste den Werdegang von Pfarrer Graffenberger zusammen und betonte dabei, dass sich ihr, obwohl sie ihn nie selber kennenlernen konnte, inzwischen ein sehr präsentes Bild des Pfarrers und der Person Dietmar Graffenberger zeigt.
Mit folgenden Worten beschrieb sie Pfarrer Graffenberger:
Es sind ein paar Ausschnitte und es gäbe noch Vieles darüber hinaus zu sagen, was zeigt, was für ein vielseitiger und offener Mensch er war.
Ich möchte gerne mit der Genehmigung einer Kursteilnahme beginnen, die Pfarrer Graffenberger 1996 für den 387. Kurs des Pastoralkollegs erhielt mit dem Titel „Pfarrer fürs neue Jahrtausend“.
Liebe Gemeinde, ich finde, dass die Anmeldung zu diesem Kurs etwas über das Verständnis aussagt, mit dem Dietmar Graffenberger Pfarrer war.
Zum Einen sah nicht er sich als seinen Antreiber und Bewirker der Geschichte und dessen, was er tat, sondern das Evangelium, das über Jahrtausende ewig ist.
Zum Anderen war er durch das Evangelium ganz aktiv für Sie, für die Menschen am Ort da, dort, wo sich für ihn Kirche zeigte. Er war mit Ihnen unterwegs und ist so Teil der Ewigkeit, wie auch wir es sind. Ob Menschen kirchlich oder nichtkirchlich waren, spielte für ihn keine Rolle. Es war ihm ein Anliegen, im Dialog Positionen zu finden. Damit lebte er heute die Haltung, die sich in der Bibel wiederfindet, aus der heraus die Bibel entstanden ist: Das Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Ansichten und Meinungen.
So brachte sich Dietmar Graffenberger gerne in die Gesellschaft ein. Ihm waren auf der einen Seite die Pflege der kirchlichen Traditionen wichtig, besonders das Feiern von Gottesdiensten und Andachten. Auf der anderen Seite ging er schon im Vikariat über den traditionellen Kontext hinaus in der Zusammenarbeit mit dem Amt für Industrie- und Sozialarbeit, machte ein Industriepraktikum. Manchmal, so scheint es mir, konnte man spüren, wie sehr unsere Kirche überrascht sein kann von einem besonderen und weit über kirchliche Kontexte hinaus feinfühligen und einfühlsamen Menschen wie Pfarrer Graffenberger es war und ihm genug Raum zur Entfaltung zu geben. Und zugleich war dort stets ein Mensch, der sich durch und durch mit unserer Kirche identifizierte, ohne unkritisch zu sein.
Pfarrer Graffenberger war als Lehrvikar bei Mentor Pfarrer Jürgen Mehl an der Gustav-Adolf-Kirche in Nürnberg. Er wurde zum 01.07.1990 als Pfarrer auf Probe in den kirchlichen Dienst übernommen und am 18.11.1990 in der Martin-Luther Kirche zu Lichtenfels von Oberkirchenrat Walter Schieder ordiniert. Er war eingesetzt für allgemeinkirchliche Aufgaben beim Vorsitzenden des Pfarrervereins, praktisch der Mitarbeitervertretung der Pfarrerinnen und Pfarrer, in der Kirchengemeinde Lichtenfels im Dekanatsbezirk Michelau, Kirchenkreis Bayreuth.
Seine Bewerbungsfähigkeit und damit die Übernahme in den Dienst auf Lebenszeit wurde ihm am 01.08.1993 verliehen.
Pfarrer Graffenberger kam dann zum 01.11.1995 in die Kirchengemeinde Brannenburg nach Raubling mit seinen vielen Ortschaften, wo er bis zu seiner krankheitsbedingten Versetzung in den Ruhestand zum 01.07.2018 blieb. Hier gestaltete er mit und für die Menschen, für Sie, Vieles. Ich möchte nur einiges davon nennen: Er war zuständig für die Kindertageseinrichtungen in Raubling, feierte Familiengottesdienste, machte Konfirmandenarbeit, hielt einen literarisch-musikalischen Gottesdienst am Ostermontag in Raubling und in regelmäßigen Abständen einen Gottesdienst mit Kanzelrede durch einen prominenten Gast aus der Region in Brannenburg, brachte sich über Kirchengemeinde hinaus in die Gesellschaft ein, war im Beirat des Christlichen Sozialwerks Raubling, erteilte Religionsunterricht, war Seelsorger, pflegte einen guten und geschwisterlichen Kontakt zu den katholischen Geistlichen, beteiligte sich am Gemeindebrief, vertrat die Pfarramtsführung in der Vakanz u. v. m. Hier hatte er diesen Freiraum, sich – nie für sich, sondern für Kirche, Menschen und die Gemeinschaft – zu entfalten. Dietmar Graffenberger war mit ganzem Herzen Gemeindepfarrer.
Leben in der Gemeinde zu gestalten geschah für ihn im Bewusstsein, Teil des Ganzen zu sein.
So war Pfarrer Graffenberger Mitglied der Landessynode, des kirchleitenden Organs unserer Landeskirche. Er war Mitglied der Dekanatssynode, und im Dekanatsbezirk Beauftragter für die Kindertagesstätten und Medien sowie Vertrauensmann für den Pfarrer- und Pfarrerinnenverein. Er hat sich nicht die Aufgaben gesucht, sondern die Aufgaben, die er gesehen hat, angenommen und mit großer Verantwortung und hohem Pflichtbewusstsein ausgefüllt.

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publ. am 13. November 2020