Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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›Nachgedacht‹ von Dekanin Dagmar Häfner-Becker

In der ersten Zeit nach Ausbruch des Virus beschäftigte viele Menschen die Angst vor einer Erkrankung und die Frage nach dem Schutz von Menschenleben. Beides wird uns auch weiterhin bewegen. Nachdem immer deutlicher wird, dass Schutzmaßnahmen noch länger notwendig sind, um Gesundheit und Menschenleben zu bewahren, rückt zugleich ein anderes Thema in den Vordergrund. Die politischen Vertreterinnen und Vertreter und viele Menschen beschäftigen zunehmend die Auswirkungen der Einschränkungen auf den Alltag. Es geht um die Frage, wie Leben künftig gestaltet werden kann und wird. Was bleibt und wie wird sich unser Alltag, unser Lebensstil bis hin zu unserer Kultur verändern? Wird es mein Lieblingsrestaurant noch geben und den Biergarten um die Ecke? Werden wir uns wieder auf großen Volksfesten und Konzerten begegnen? Schaffen es die Künstlerinnen und Künstler zu überleben? Wird sich der Schulalltag dauerhaft verändern? Und was ist mit meinem Arbeitsplatz?

Wenn wir uns diese Fragen stellen, merken wir schnell, dass wir gedanklich in eine Sackgasse geraten. Wir können sie, zumindest derzeit, nicht beantworten. Wir können auch die Probleme, die die Corona-Krise verursacht, nicht alle selbst lösen. Deshalb sind wir auf die Hilfe anderer Menschen und auf Zusammenarbeit angewiesen, aber auch auf Beistand, um den Kopf frei zu bekommen, weiterdenken und planen zu können. Das ist in der momentanen Lage unendlich schwer. Wir sehen das Ziel vor Augen oft nicht. Trotzdem müssen wir entscheiden und einzelne Schritte gehen. Daher beschäftigt mich, ob etwas Anderes bleibt, das mir hilft mit meinen unbeantworteten Fragen, mit meinen Sorgen und Ängsten umzugehen.

Dieses Wochenende ist mitten in der Corona-Zeit am 3. Mai der Sonntag mit dem Namen und dem Aufruf: „Jubilate“, „jubelt“! Im Text aus der Bibel, der für die Predigt vorgesehen ist, sagt Jesus: „Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.“ (Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 4)

Der Text vergleicht die Menschen sinnbildhaft mit Reben am Weinstock. Der Weinstock steht für Gott. Wenn Menschen sich Gott zuwenden, im übertragenen Sinne an ihm hängen und bei ihm bleiben, versorgt er sie mit Kraft und Energie für ihr Leben wie der Weinstock die Reben. Das gibt gerade in schwierigen Zeiten, wenn wir das Ziel nicht sehen, immer wieder einen ruhigen Kopf und Durchhaltevermögen, um Leben zu gestalten. Für die Möglichkeiten der Lebensgestaltung stehen in der Bibel sinnbildlich die Früchte, die die Reben tragen. In mageren Zeiten fallen sie anders aus als erwartet oder sie lassen auf sich warten. Aber solange die Rebe am Weinstock ist, d. h. wir weiter mit Gott in Kontakt bleiben, versiegen Kraft und Hoffnung nicht. Wir verlieren bildlich gesprochen nicht den Blick auf die süßen Früchte, auf die Möglichkeiten und dass das Leben sich lohnt und sinnvoll ist.

Deshalb hilft vielleicht gerade an diesem Sonntag Jubilate ein trotziger Jubel auf unseren Gott der uns Mut und Stärke gibt gegen die Schatten der Furcht und Sorge.

von Dekanin Dagmar Häfner-Becker, publ. am 3. Mai 2020