Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Und was passiert nach Ostern?

›Nachgedacht‹ von Dekanin Dagmar Häfner-Becker

Wir haben dieses ganz andere Osterfest gefeiert ohne Familienbesuche und Ausflüge. Gottesdienste fanden ohne Besucher statt und wurden gestreamt. Trotzdem ist der Herr auferstanden. Wie damals, als Angst, Schrecken und Trauer die Jüngerinnen und Jünger auseinandertrieben und sie sich in den Häusern verbarrikadierten. Da ist Jesus auferstanden.

Danach, „am Abend aber dieses ersten Tages der Woche“, so berichtet es das Johannesevangelium, „als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht…, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigt er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.“ (Johannesevangelium, Kapitel 20, Verse 19 und 20)

Jetzt nach Ostern merke ich, dass ich immer besser mit den Ausgangsbeschränkungen umgehen kann. Es beruhigt mich, dass sich die meisten daran halten. In den Geschäften ist die Einhaltung der Abstandsregeln gut organisiert. Meine Furcht lässt nach und ich kann etwas leichter nach vorne blicken. Es ist ein kleines Auferstehungserlebnis.

Gleichzeitig bleiben das Entsetzen über die vielen Toten, die Sorge um die Kranken, die drängende Frage nach dem Erhalt der Arbeitsplätze und die Beklemmung über die Folgen von Einnahmeausfällen, Lohneinbußen und drohender Arbeitslosigkeit. Wie schwer ist es da von der Auferstehungshoffnung zu reden. Es wird auch nicht leichter, wenn ich daran denke, dass die Jüngerinnen und Jünger nach der Auferstehung lange nicht zur Normalität zurückkehren konnten. Ihr Leben war bedroht von den Verfolgern Jesu. Ihre Existenz war nicht gesichert. Viele von ihnen hatten keine Arbeit. Ihren „Arbeitgeber“, Jesus, hatten sie verloren.
Es ist noch eine ganze Zeit in der Bibel von dieser schwierigen Situation die Rede. Und doch scheint die Auferstehungsbotschaft trotz der bleibenden Sorgen und Nöte etwas in den Jüngerinnen und Jüngern bewirkt zu haben. Sie haben sie mit aller Kraft und Leidenschaft weitererzählt, weil sich etwas in ihrem Leben geändert haben muss.

Vielleicht beschreibt es ein Ausschnitt aus dem Predigttext für diesen Sonntag treffend, der beim Propheten Jesaja steht. Dort lässt uns Jesaja wissen:

„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja, Kapitel 40, Verse 28 – 31)

Für mich beschreibt dieser Text eine Wirkung der Auferstehung. Gott, der stärker ist als der Tod, kann Menschen unglaubliche Kräfte verleihen, die ihnen in den schwierigsten Situationen helfen, selbst wenn alles ausweglos erscheint. Es ist eine geistige Stärke, die Gott gibt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das erfahren dürfen und es Ihnen Antrieb und Hoffnung gibt wie den Jüngerinnen und Jüngern damals, auch wenn es immer wieder schwer ist.

von Dekanin Dagmar Häfner-Becker, publ. am 19. April 2020