Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Ich mag keine Veränderung

›Nachgedacht‹ von Dekanin Dagmar Häfner-Becker

Wer mag schon Veränderungen? Es ist schön, wenn das Leben geregelt ist. Unter der Woche wird gearbeitet. Am Wochenende wird sich entspannt, ein Ausflug unternommen, im Garten gearbeitet. Bei aller Verantwortung, die man hat, ist es gut zu wissen, wo und wann man am nächsten Tag hinmuss und was man zu tun hat, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Mit anderen Worten: Es ist gut, einen Arbeitsvertrag zu haben, der das regelt und Sicherheit gibt.

Wenn wir so unserem Alltag nachgehen, fällt uns oft gar nicht auf, dass sich eigentlich ständig etwas ändert. Die Kinder erzählen jeden Tag nach der Schule etwas Anderes. Sie werden älter und selbstständiger. Eltern werden mit dem Heranwachsen der Kinder unterschiedlich gefordert. Im Beruf ändern sich die Arbeitsabläufe durch die fortschreitende Technisierung oder Stellenwechsel. Der Supermarkt um die Ecke schließt. Der Weg zum Einkaufen ist nun weiter. Man muss sich an neue Regalanordnungen und neue Produkte gewöhnen.

Und dann gibt es ja auch Veränderungen, die uns gefallen: der Schulabschluss der Kinder, eine Beförderung, der Urlaub.
Warum tun wir uns dann gerade in diesen Tagen so schwer mit Veränderungen?

Ich glaube, es gibt mehrere Gründe. Die Veränderungen derzeit haben eine vollkommen ungewohnte Geschwindigkeit. Sich ihnen anzupassen ist nicht einfach. Einen neuen Alltag in diesen Veränderungen zu definieren gelingt schleppend. Das liegt auch daran, dass wir nicht wissen, was noch kommt. „Bleibt mein Arbeitsplatz erhalten?“, fragen sich einige. „Wie werden die Abschlussprüfungen dieses Jahr sein?“, grübeln andere. „Wann kann ich wieder ganz normal nach draußen gehen?“, überlegen die meisten.
Zu den alltäglichen Veränderungen kommen plötzlich unbekannte Herausforderungen dazu. Sichere Eckpfeiler unseres Lebens scheinen zu wanken. Dazu kommt, dass es keine Veränderungen sind, über die wir uns freuen, sondern die uns Sorgen bereiten. Uns wird von einem auf den anderen Tag bewusst, dass unser Leben und unsere Lebensgestaltung einer gewissen Unverfügbarkeit unterliegen.

Was kann also helfen, mit dieser Situation für sich umzugehen?

Mir hilft ein Vers, in dem Gott über sich sagt: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.“ (Jesaja, Kapitel 46, Vers 4)

Gott beendet zwar nicht die Ausgangsbeschränkung. Er verhindert nicht ihre Folgen. Er aber ist der, der sicher bleibt und der derselbe ist zu jeder Zeit. In aller Veränderung ist Gott das Kontinuum und der sichere Hafen. Ich kann mich immer an ihn wenden. Die Sorge um den Arbeitsplatz kann er zwar nicht nehmen. Für die Abschlussprüfung muss ich weiterlernen mit allen Unsicherheiten im Hinblick auf die Prüfungen. Aber Gott, der derselbe und sicher da ist, kann mir eine innere Hilfe und Stütze sein, so dass ich nicht verzweifeln muss, sondern hoffen und in die Zukunft schauen kann. Er kann die Haltung, Sicherheit und Kraft in mir sein, damit ich mich nicht ausgeliefert fühlen muss, sondern handeln kann.

von Dekanin Dagmar Häfner-Becker, publ. am 6. April 2020