Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Warten auf bessere Zeiten

Nun dauern die Ausgangsbeschränkungen schon etwas und werden auch noch weitergehen. Wir beginnen, nach neuen Alltagsroutinen zu suchen und nach Möglichkeiten, den Alltag in dieser Situation zu gestalten. Daneben denken wir darüber nach, wie wir das Besondere dennoch vom Alltag abheben und feiern können. Wir begegnen uns am Geburtstag auf Skype, singen ein Lied am Telefon o. ä. Vielen fehlt, sich unbeschwert im Freien treffen und mit der Picknickdecke auf der Wiese im Park und am Flussufer liegen zu können. Wir sehnen uns nach Treffen, nach Verabredungen und dem Arbeitsalltag. Ein Telefonat ist anstrengender, als sich persönlich gegenüber zu stehen. Oft vermissen wir, die Gesichtszüge des anderen zu sehen und damit einen Teil der Kommunikation. Gerüche und dreidimensionale Eindrücke werden weniger, wenn wir uns über den Bildschirm begegnen. Immer mehr Menschen bangen um ihre Existenz und hoffen, dass dieser Alltag überhaupt wieder einkehren kann und das am besten möglichst bald.
Wir warten auf bessere Zeiten.
Die Christen der ersten Tage haben damals auch auf bessere Zeiten gewartet. Viele von ihnen haben nach neuen Alltagsroutinen gesucht oder hatten Existenzsorgen. Für sie war der Moment, auf den sie gewartet haben, dass Jesus Christus vom Himmel kommt und sie in ein himmlisches Leben führen wird. Für uns klingt das naiv. Aber wenn wir ehrlich sind, träumen wir nicht nur jetzt, sondern auch sonst immer wieder einmal von einem besseren Leben.
Natürlich wusste niemand der Christinnen und Christen damals, wann diese Wiederkunft Jesu, wann das bessere Leben, sein wird. Mit jedem Tag, den sie länger warteten, stieg die Anforderung, ihr Leben jetzt zu gestalten und in einen neuen Alltagsrhythmus zu finden. Darüber haben sie sich aus der Ferne in Briefen ausgetauscht. Auch Paulus geht in seinen Briefen auf diese Frage ein. Er ermutigt die Christinnen und Christen, sich darauf einzustellen, dass die Situation länger dauert. Er ermuntert sie, sich neue Alltagsroutinen zuzulegen. Und er bestärkt sie, dass es sinnvoll ist, sein Leben auch weiter ehrlich und aufrecht zu führen sowie füreinander da zu sein. Er nennt das die Heiligung des Lebens, weil wir damit ein Stück Himmlisches in unser Leben lassen.
Vielleicht kann das Anreiz sein zu überlegen, was für uns dieses Himmlische in unserer neuen Alltagsroutine sein kann. Für mich sind das viele kleine Dinge, die mir sonst häufig gar nicht auffallen. Da lässt mich meine Familie in Ruhe, wenn es mir schlecht geht. Ich wiederum versuche, nicht zu kleinlich zu sein, wenn etwas herumsteht und nicht weggeräumt wird.
Dadurch genießen wir im neuen Alltag ein Stück Frieden. Für mich ist das etwas Himmlisches, das mir Kraft gibt.

von Dekanin Dagmar Häfner-Becker, publ. am 30. März 2020