Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Ostern 2020

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„Ist das gottgewollt?“

„Ist das gottgewollt?“ – Diese Frage erreicht mich in diesen Tagen immer wieder.
Es ist die Frage danach, wie etwas geschehen kann, das wir nicht verstehen. Wenn wir einen Sinn entdecken, ist es leichter, das Schwere und Unbegreifliche anzunehmen.
Zugleich fragen wir nach der Ursache, der Verursacherin oder dem Verursacher. Wir suchen einen Schuldigen.
„Wenn Gott die Welt geschaffen hat“, so fragen wir, „ist er dann schuld an einem schrecklichen Ereignis, an einer Katastrophe, einem Krieg oder einer Pandemie?“
Gott hat die Welt erschaffen, so glauben wir Christen. Jede und jeder von uns ist ein Geschöpf Gottes, ist Kind Gottes. Zugleich hat Gott die Welt in Freiheit geschaffen. Man könnte ihn mit einem Komponisten vergleichen, der ein Musikstück schreibt. Wie es aufgenommen, gespielt und weitergegeben wird, unterliegt ihm nicht mehr. Es ist meistens nicht oder nur sehr selten nachzuvollziehen.
Umgekehrt kann ein Musiker oder eine Musikerin immer dem Komponisten die Schuld geben, wenn das Stück beim Publikum nicht ankommt. Damit ist es für ihn oder sie leichter, mit dem Misserfolg umzugehen.
Nun aber zurück zu der Frage:
Ist Gott also schuld, dass diese Pandemie um sich greift?
Nein, Gott ist nicht schuld. Aber es kann uns entlasten und uns guttun, wenn wir Gott die Schuld geben.
Als Christ kann ich mir auch sicher sein: Gott ist nicht ärgerlich, wenn ich ihm die Schuld gebe. Er nimmt sie gerne auf sich. Jesus Christus nimmt alle Schuld auf sich, und zwar nicht nur unsere persönliche Schuld, sondern auch Dinge, deren Verursacher oder Verursacherin wir nicht kennen oder Dinge, die niemand verursacht hat und die trotzdem geschehen.
Damit können wir frei werden von quälenden Gedanken.
Was geschieht kann so greifbar werden. Es verliert seinen schicksalshaften Charakter.
Mir hilft das zu Klarheit und frei zu sein, meine Verantwortung anzunehmen. Es fällt mir nicht mehr so schwer, mir einzugestehen, wo ich mich geirrt habe, wo ich Dinge falsch eingeschätzt habe oder falsch gehandelt habe. Und ich kann mich leichter an das halten, worum ich gebeten bin, damit sich beispielsweise nicht noch mehr Menschen anstecken.
In dem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Zeit!

Ihre Dekanin Dagmar Häfner-Becker

von Dekanin Dagmar Häfner-Becker, publ. am 23. März 2020