Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Rosenheim

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Podiumsdiskussion „Reformation 2.0 - was braucht Kirche heute?“

Internatsleiter Jörg Müller bei der Begrüßung

Prof. Ebertz, Moderatorin Ursula Dämmrich - Freifrau von Luttitz, Prof. Nagel und Prof. Wenz (v.l.n.r.)

Prof. M. Ebertz, VRK Filialdirektor S. Heinlein, Prof. G. Wenz, U. Dämmrich von Luttitz, Prof. E. Nagel, Dekanin H. Wirth

Die Podiumsdiskussion auf Schloß Neubeuern hat bewiesen, dass intellektueller Anspruch und Unterhaltung keine Widersprüche sein müssen.

Auf Einladung des Evang.-Luth. Dekanatsbezirks Rosenheim kamen am Freitag 5. Mai 2017 auf Schloss Neubeuern rund 60 Gäste, um eine Podiumsdiskussion zu verfolgen, die man in unserer Region nicht so häufig erlebt. Zum einen, weil das Internat auf dem Schloß Neubeuern für diese Veranstaltung seinen Festsaal geöffnet hat und zum anderen das Evang.-Luth. Dekanat anlässlich des Reformationsjahr den Mut gehabt hat, eine bewusst akademische Diskussion außerhalb von Kirchenräumen öffentlich zu organisieren. Dekanin Hanna Wirth verlieh in ihrer Begrüßung ihrer großen Freude Ausdruck, dass durch die Unterstützung mehrerer Sponsoren und der Landeskirche diese Veranstaltung stattfinden konnte und alle Wunschgäste tatsächlich zugesagt hatten. Inhaltlich führte Dekanin Wirth damit ein, dass auch 500 Jahre nach der Reformation die Aufgabe für einen jeden darin besteht, persönliche Antworten auf die Kernfragen des Glaubens zu suchen wie auch Luther sie formuliert hat. Luther hat für sich mit seinen vier Sola eine Antwort gefunden. „Unsere Aufgabe heute besteht darin, dieses verständlich in die heutige Zeit zu transportieren“. Dekanin Wirth wünschte sich, dass diese Veranstaltung jedem Zuhörer dafür einen klaren Impuls geben kann und somit einen Beitrag leisten kann, um die konstruktive Auseinandersetzung anzustoßen. Dass dieses Ziel erreicht wurde, darüber waren sich am Ende alle Gäste einig.
Professionell und unterhaltsam moderierte Ursula Dämmrich-Freifrau von Luttitz (BR Fernsehen) diese Runde. Mit viel Engagement diskutierten der katholische Theologe und profunde Kirchensoziologe Prof. Dr. Dr. Michael N. Ebertz aus Freiburg, der evangelische Theologe, Ökumeneforscher und Leiter der Wolfhart Pannenberg-Forschungsstelle Prof. Dr. Dr. h.c. Gunther Wenz aus München und der Bayreuther Mediziner Prof. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel über die Fragestellung, was Kirche braucht. Dabei war deutlich zu spüren, dass sich an diesem Abend drei Wissenschaftler mit unterschiedlichen Standpunkten eingefunden haben. Die Bandbreite reichte dabei von der Meinung, dass sich Kirche als Dienstleister verstehen müsse und sich dementsprechend professionell den Erwartungen der Menschen stellen muss, wie es Prof. Ebertz formulierte. Sein evangelischer Kollege war jedoch der Meinung, dass Kirche wieder stärker in ihren Traditionen und Grundwerten wahrnehmbar werden müsse, um erkennbar zu bleiben. Der Ethiker, Mediziner und aktive Laie in der evangelischen Kirche Prof. Nagel plädierte seinerseits dafür, dass die Kirche durch die Freude an der Verkündigung und die Freude am Evangelium den Glauben erleb- und spürbar machen soll.
Durch die Einbindung des Publikums wurde die Diskussion noch lebhafter, besonders da die Moderatorin ihre provokante Frage „Wie sieht die Jugend ihre Kirche?“ an die jüngeren Teilnehmenden richtete. Am Ende der Diskussion wurde deutlich, dass die Fragestellung des Abends eigentlich hätte lauten müssen „Welche Erwartungen habe die Menschen und was kann die Kirche tun, um diesen Erwartungen gerecht zu werden?“. Denn darüber waren sich alle einig, es kann nicht darum gehen, was Kirche als Organisation braucht, sondern vielmehr, was die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden braucht.

Deshalb sollten sich die Kirchen bewusst machen, dass sie in der heutigen, von Individualisierung und Medien geprägten Zeit gut beraten sind, sich als Gemeinschaft der Fragenden und Suchenden zu definieren und nicht als eine Instanz, die fertige Antworten parat hat.
Wenn Kirche diesen Weg beschreiten will, dann wird sie sich weiter verändern müssen. Die verschiedenen sozialen Milieus, persönliche Präferenzen und unterschiedliche spirituelle Bedürfnisse werden dazu führen, dass man sich noch stärker dem Wettbewerb mit anderen Gruppen stellen muss. Außerdem besteht die Gefahr, dass Kirche die Deutungshoheit über religiöse Themen verliert. Darum ist es wichtig,, sich in aktuelle Fragen der Gesellschaft einzumischen und sich auf der Basis des Evangeliums in Diskussionen um Lösungen einzubringen. Immer noch definiert sich die deutsche Bevölkerung mehrheitlich als Angehöriger einer christlichen Kirche ., Das ist eine gute Grundlage für die Hoffnung, dass sich bei professioneller Arbeit, einer gelingenden Verbindung von digitaler Welt und Tradition und einem freudvoll überzeugten Auftritt die Kirchen als Gemeinschaft der Glaubenden stabilisieren lässt, um auch weiterhin, unter dem gemeinsamen Zeichen des Kreuzes, die christlichen Werte in die Gesellschaft zu tragen.